Anzeige:
Anzeige:

RATGEBER - Rund ums Auge

Unterschätzt und verharmlost: trockenes Auge

„Wie Sandpapier“. So knapp und präzise fasste die Zeitschrift „medizin heute“ die Folgen des trockenen Auges zusammen. Schätzungsweise 20 Millionen Menschen leiden daran in Deutschland. Mit steigender Tendenz.

Anzeige:
„Dennoch wird das trockene Auge leider immer noch verharmlost oder falsch eingeschätzt“, warnt unter
anderem Professor Horst Bewitt, Augenarzt an der medizinischen Hochschule Hannover.

Es gibt viele Formen. Alle haben gemeinsam, dass sich entweder die Menge der Tränen vermindert oder sich die Struktur des Tränenfilms verändert.

Auch bei einigen Augenerkrankungen oder allgemeinen Erkrankungen, beziehungsweise als Begleiterscheinung bestimmter Behandlungen, sitzt unser Sehorgan auf dem Trockenen.

Drei Schichten: So funktioniert der Tränenfilm

Der Tränenfilm besteht aus drei Schichten, einer schleimhaltigen, einer wässrigen und einer fetthaltigen.

Die Schleimschicht produzieren die so genannten Becherzellen, die sich auf der Bindehaut befinden. Sie befindet sich direkt auf der Augenoberfläche und gleicht feine Unebenheiten auf der Horn- und Bindehaut aus.
Außerdem sorgt sie dafür, dass die eigentlich Wasser abstoßende Hornhautoberfläche wasseranziehend wird, damit die nächstfolgende wässrige Schicht besser haftet.

Die wässrige Schicht, sie wird von den eigentlichen Tränendrüsen produziert, macht den größten Anteil der Tränenflüssigkeit aus.
Sie enthält Eiweiße, Enzyme und Antikörper, die zum Beispiel Krankheitserreger bekämpfen. Die äußere Schicht ist sehr dünn und fetthaltig. Sie wird von Drüsen am Lidrand produziert.

Die fettige Schicht sorgt dafür, dass die Tränenflüssigkeit nicht über die Lidkante läuft und nicht so leicht verdunstet.

Um kein Sandpapier in den Augen zu haben, müssen diese Drüsen und der Lidschlag gut zusammenspielen. Flüssigkeit alleine reicht den Augen übrigens nicht, es kommt auch auf die Inhaltsstoffe an. Man kann sogar ein trockenes Auge haben und das Wasser läuft trotzdem.

Statt umgangssprachlich vom trockenen Auge sprechen Ärzte von einer Benetzungsstörung. Betroffene leiden unter vielen Symptomen. Es treten unter anderem Rötungen, Fremdkörpergefühl, Kratzen, Brennen und geschwollene Augenlider. Paradoxerweise gehören, wie bereits angesprochen, auch Augentränen zu den Symptomen.

Der Tränenfilm hält die Oberfläche des Augapfels glatt und geschmeidig und ermöglicht, dass wir gut sehen. Außerdem enthält er keimtötende Substanzen und schützt so vor Infektionen.

Ein besonders wichtiger Aspekt: Die Tränen versorgen unser Fenster zur Außenwelt, die Hornhaut, mit Sauerstoff. Üblicherweise besitzt unser Körper hierfür Blutgefäße. Doch sie würden das Sehen stören. Der Sauerstoff gelangt direkt über die Luft in den Tränenfilm.

Verändern sich die Tränen, muss unser Körper ein Notprogramm starten. Er versorgt über die Blutgefäße der Bindehaut die Hornhaut mit Sauerstoff. Dies geschieht bei Erkrankungen, aber auch während des Schlafes. Deswegen wachen morgens viele Menschen mit geröteten Augen und geschwollenen Lidern auf, da sich auch die Blutgefäße der Lidinnenseite über Nacht als Notversorgung öffnen.

Selbst bei Gesunden schwankt die Tränenproduktion. Besonders gegen Abend nimmt sie ab, nämlich dann, „wenn das Sandmännchen kommt“ und wir müde werden.

Auch mit zunehmendem Alter „trocknen die Augen aus“. Frauen trifft es häufiger als Männer, weil sich der veränderte Hormonhaushalt in den Wechseljahren auch auf die Tränenproduktion auswirkt.
Benetzungsstörungen treten auch bei verschiedenen Erkrankungen auf, etwa Diabetes, Schilddrüsenveränderungen oder Rheuma.

Die Bindehaut des Auges ist nicht nur an der Produktion des Tränenfilms und der Benetzung der Augenoberfläche beteiligt, sie gehört auch zum komplexen Immunsystem des Körpers.
Viele Erkrankungen, die die körpereigene Abwehr beeinflussen, etwa Allergien, gehen deswegen mit trockenen Augen einher.

Medikamente greifen manchmal ebenfalls den Tränenhaushalt an. Hierzu zählen Psychopharmaka, Schlafmittel, Beta-Blocker, Hormone und Antiallergika.

Da es sich bei der Augenoberfläche entwicklungsgeschichtlich um umgewandelte äußere Haut handelt, führen auch Hauterkrankungen zum trockenen Auge.

Von Klimaanlagen und Computermonitoren

Dass die Zahl der Patienten weltweit zunimmt, liegt nicht unbedingt an diesen Faktoren, sondern an den veränderten Lebensbedingungen. Umweltbelastungen mit Ozon oder durch Abgase scheinen eine wichtige Rolle zu spielen.

Auch unser persönlich geschaffenes Umfeld beeinflusst die Tränen. Heizungsluft und Klimaanlagen verringern die Luftfeuchtigkeit und lassen den Tränenfilm schneller verdunsten.
Dasselbe tun auch Zugluft, Autogebläse, Flugzeugkabinen und Rauchen.

Auch die Arbeit am Computer schadet den Augen.

Der Blick auf den Bildschirm senkt die Frequenz, mit der die Lider die Augen benetzen.

In der englischen Sprache spricht man bereits vom Office Eye Syndrom.

Eine Studie der Augenklinik Augsburg nahm den Zusammenhang zwischen Bildschirmarbeit und dem trockenen Auge unter die Lupe.
Mit einem speziellen Analysesystem untersuchten die Forscher über längere Zeit das Sehverhalten. Ihr Ergebnis: Während der Arbeit am Computer halbiert sich die Frequenz des Lidschlages.

Auch was der Sehschärfe nutzt, tut nicht unbedingt den Tränen gut. Kontaktlinsen schwimmen auf dem Tränenfilm. Dabei erwärmen sie die Augenoberfläche. Es verdunstet mehr Tränenflüssigkeit.
Rote Augen und festsitzende Kontaktlinsen gelten als Warnzeichen für einen gestörten Tränenhaushalt.

Außerdem lassen Kontaktlinsen weniger Sauerstoff an die Augenoberfläche gelangen. Hier eigenen sich harte Linsen besser als weiche.
Menschen mit trockenen Augen können aber in Einzelfällen Kontaktlinsen tragen. Der Augenarzt entscheidet dies von Fall zu Fall.

Um einem trockenen Auge auf die Spur zu kommen, untersucht der Augenarzt den Tränenfilm. Hierzu hängt er einen Filterpapierstreifen in den Bindehautsack und misst die Flüssigkeitsmenge. Dieses Verfahren heißt Schirmer-Test.

Über die Stabilität des Tränenfilms informiert die Zeitspanne zwischen Lidschlag und Aufreißen des Tränenfilms, die sog. Aufreißzeit.
Der Augenarzt färbt die Hornhaut mit einem Farbstoff und beobachtet die Veränderung mit der Spaltlampe.

Künstliche Tränen

Das trockene Auge lässt sich in der Regel mit so genannten künstlichen Tränen behandeln.
Welches der zahlreichen Präparate sich eignet, entscheidet der Augenarzt im Einzelfall.

Für schwere Formen gibt es Spezialprodukte. Daneben gibt es die Möglichkeit, die verfügbare Tränenmenge zu erhöhen, indem man zum Beispiel die Abflusskanälchen verschließt.

Sie können selbst etwas gegen das trockene Auge tun:

  • Zunächst muss der Augenarzt ernsthafte Erkrankungen ausgeschlossen und den Tränenfilm untersucht haben.
  • Oft führen äußere Einflüsse zur Wüste in den Augen. In klimatisierten Räumen können Luftbefeuchter Abhilfe schaffen. Frische Luft tut den Augen gut, etwa bei einem Spaziergang in der Mittagspause.
  • Beim Autofahren sollte das Gebläse nie direkt auf die Augen zeigen.
  • Rauchen, ob aktiv oder passiv, schadet ebenfalls dem Tränenfilm. Kontaktlinsen sollten ihre Träger regelmäßig nachbenetzen.
  • Bereits Hautfett, aber auch Kosmetika können den Tränenhaushalt irritieren. Reizarme Produkte und konsequente Lidreinigung tun trockenen Augen gut.
  • Dafür, dass falsche Ernährung den Tränenhaushalt beeinflusst, gibt es bislang keine wissenschaftlichen Belege.
  • Rezeptfrei erhältliche Augentropfen, die die Gefäße verengen, wirken sich fatal aus. Sie beseitigen zwar Rötungen, produzieren auf Dauer ein trockenes Auge mit verhängnisvollen Auswirkungen auf die Sehfähigkeit

Aktuelle Meldungen

pixabay / Myriams-Fotos
© pixabay / Myriams-Fotos

06.06.2020

Propolis oder wie Bienen gegen Heuschnupfen helfen

Wenn Bienen sterben, stirbt der Mensch gleich mit. Dabei handelt es sich um eine Aussage, die richtiger nicht sein könnte.


pixabay / StockSnap CC0
© pixabay / StockSnap CC0

05.06.2020

Fitnesstrainerlizenz- Wie kann sie erworben werden?

Eine Vielzahl der Deutschen wird von gesundheitlichen Problemen wie beispielsweise Rückenschmerzen geplagt.


pixabay / kalhh
© pixabay / kalhh

25.05.2020

Haartransplantation in der Türkei - Mehr Lebensqualität mit neuer Frisur

Haare stehen schon seit Urzeiten für Vitalität und Attraktivität. Deshalb ist es für Herren besonders schlimm, wenn mit zunehmendem Alter das Kopfhaar lichter wird, bis sie eines Tages eine Glatze bekommen.


pixabay / Tama66
© pixabay / Tama66

19.05.2020

Inkontinenz, wenn Harn oder Stuhl nicht mehr gehalten werden kann!

Die Miktion, das heißt das Urinieren, gehört zu unserem Leben, wie die Atmung selbst und dies im wahrsten Sinne des Wortes.


pixabay / guvo59
© pixabay / guvo59

18.05.2020

Das Pflegeproblem im Alter – Deutschland vor einer großen Herausforderung

Das Problem der Pflege ist weltweit vorhanden. Viel eher muss man es als Problem der unversorgten Pflegeversicherung beschreiben, denn die Menschen werden immer älter, es gibt aber immer weniger Personal, welches sich um die ältere Generation kümmern kann.



Newsletter Abbonieren



Aktuelles Wetter



Wissen-Gesundheit im Netz

socials




loader