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RATGEBER - Schmerztherapie

Definition und Symptome

Von chronischem Schmerz spricht man, wenn der Schmerz die Zeit des Akutschmerzes überdauert, auch zum Beispiel dann, wenn die Ursache längst behoben ist (z.B. Zahnschmerzen).

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Dann ist eine auslösende Ursache oft nicht mehr feststellbar, die Schmerzen schwanken kaum in ihrer Intensität, sind lang anhaltend und greifen auf andere Körperregionen über.

Der Schmerz hat dann seine Warn- und Signalfunktion verloren und sich verselbständigt. Er ist zu einer eigenständigen Erkrankung, der chronischen Schmerzkrankheit, geworden.

Aber auch chronische Krankheiten, wie Rheuma (z.B. Arthrose, Arthritis, Fibromyalgie) und Krebs gehen mit lang andauernden oder wiederkehrenden Schmerzen einher. Chronische Schmerzen verändern die gesamte Lebenssituation der Betroffenen gravierend: Arztbesuche, Medikamenteneinnahme, die Suche nach alternativen Verfahren, werden zum Lebensinhalt.

Ursachen

Je mehr Misserfolg sich einstellt, desto frustrierter sind die Patienten. Es werden immer wieder neue Ärzte aufgesucht in der Hoffnung, dass ihre Qualen endlich gelindert werden.

Parallel dazu werden immer mehr Schmerzmittel unkontrolliert eingenommen, was zu weiteren Problemen führen kann, wie zum Beispiel Medikamentenabhängigkeit, Magen-Darm-Problemen oder auch Nierenschäden.

Viele Schmerzpatienten können in der Folge ihren Beruf nicht mehr ausüben, Freizeitbeschäftigungen müssen aus finanziellen Gründen oder wegen der Schmerzen aufgegeben werden, das soziale Umfeld zieht sich mehr und mehr zurück und schließlich treten noch Probleme in der eigenen Familie auf. Die Folge sind Isolation, Resignation, Hoffnungslosigkeit und Depression. Der chronisch Schmerzkranke ist selbstmordgefährdet.

In letzter Konsequenz macht lang anhaltender Schmerz aus dem Patienten einen chronisch Kranken mit Depressionen, eingeschränkter Erlebnisfähigkeit und sozialer Vereinsamung.

Für die Chronifzierung von Schmerzen ist ein Schmerzgedächtnis verantwortlich: Nervenzellen sind nicht nur passive Signalüberträger, sondern reagieren auch lernend auf schmerzhafte Reize. So entsteht in den Nervenzellen ein Schmerzgedächtnis. Man spricht auch von einer im Nervensystem hinterlassenen „Gedächtnisspur“.

Therapie

Die wichtigste Maßnahme gegen den chronischen Schmerz ist die Prävention - also Vorbeugung – er darf also am besten gar nicht erst entstehen. Dazu muss schon der akute Schmerz beim ersten Auftreten schnell und wirksam behandelt werden. Für Patienten mit chronischen Schmerzen gibt es heute viele Möglichkeiten einer Behandlung. Bei den Medikamenten hat sich ein Stufenschema bewährt:
  1. Auf der ersten Stufe stehen Nicht-Opioidschmerzmittel, wie zum Beispiel die Wirkstoffe Acetylsalicylsäure, Paracetamol oder Metamizol.
  2. Auf der zweiten Stufe stehen schwach wirksame Opioide. In diese Gruppe gehören z. B. die Wirkstoffe Tramadol oder Codein. Sie können mit Medikamenten der ersten Stufe kombiniert werden.
  3. Auf der dritten Stufe schließlich stehen stark wirksame Opioide, also Morphin und dessen synthetische Abkömmlinge. Auch hier ist eine Kombination mit der ersten Stufe möglich.
Opioide eignen sich zur Dauerbehandlung chronischer Tumorschmerzen, wirken aber auch sehr gut bei chronischen Schmerzen anderer Ursache, wie Arthrose, Osteoporose, Phantomschmerzen, Rückenschmerzen oder Nervenschmerzen.

Ganz allgemein gilt: Jeder starke Schmerz, der mit Opioiden gelindert werden kann, ist ein opioidpflichtiger Schmerz!
Wichtig ist es auch bei stärkeren Schmerzen, rechtzeitig und konsequent auf die nächste Stufe zu wechseln. Die Gabe von Opioiden nach Bedarf – also immer dann wenn der Schmerz wieder auftritt – hat man heute verlassen, kommt es dadurch doch bestenfalls zu vorübergehender Schmerzlinderung und ganz wichtig, das „Schmerzgedächtnis“ wird nicht gelöscht.

Heute hat es sich bewährt, retardierte Opioide in festen Zeitabständen als Dragee zu geben, das führt zu gleichmäßigen Blutspiegeln und eine Überdosierung wird in der Regel vermieden. Damit die Ärztin/der Arzt die richtige Dosis finden kann, ist es auch hier wieder wichtig, ein Schmerztagebuch zu führen.

Aus diesem ist dann zum Beispiel zu ersehen, dass der betroffene Patient den ganzen Tag über mit einer Gabe eines Retardpräparats auskommt, aber am Nachmittag der Schmerz plötzlich durchbricht. Dann kann diesem Patienten rechtzeitig vorher ein schnell wirkendes Präparat zusätzlich gegeben werden.

Eine moderne Alternative zu Tabletten, Tropfen oder Dragees ist das so genannte Schmerzpflaster, welches auf die Haut aufgeklebt drei Tage lang wirkt.

Das Medikament befindet sich in einem Wirkstoffdepot, aus dem es kontinuierlich über die Haut in den Körper abgegeben wird. Ob retardierte Opioide zum Schlucken gegeben werden oder als Pflaster, muss von der Ärztin/dem Arzt ganz individuell entschieden werden.

Örtliche Betäubungsmittel spielen ebenfalls eine große Rolle in der Behandlung chronischer Schmerzen, sie werden in die so genannten Triggerpunkte in der Muskulatur, Sehnenansätze, Narbengewebe oder Gelenke gespritzt, ebenso direkt an den betroffenen Nerv. Dort blockieren sie vorübergehend die Weiterleitung von Schmerzreizen und verbessern gleichzeitig die Durchblutung.

Auch die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) hat sich bei chronischen Schmerzen bewährt.

Hier werden Elektroden auf die Haut des Schmerzgebietes geklebt, in die Nähe von Nerven oder auf Akupunkturpunkte. Kleine Elektrostimulatoren erzeugen schwache Ströme, die dann bestimmte Nerven, die so genannten schnell leitenden Fasern, erregen.

Diese wiederum unterbrechen die Leitung der langsamer leitenden Nervenfasern über die die Schmerzempfindung läuft. Außerdem werden vermehrt körpereigene schmerzhemmende Botenstoffe und durchblutungsfördernde Stoffe gebildet und ausgeschüttet.

Auch Akupunktur, Physiotherapie und physikalische Therapie (Kälte-Wärmeanwendungen, Elektrotherapie, Massage, Chirotherapie, Krankengymnastik, Rückenschule usw.) haben sich bei der Behandlung chronischer Schmerzpatienten als zusätzliche Möglichkeit bewährt.

Hausmittel

Sie stellen bei chronischen Schmerzpatienten eine wichtige aber nur zusätzliche Behandlungsmöglichkeit dar. Hierzu gehören zum Beispiel Kneipp’sche Anwendungen, die Akupressur und auch der Einsatz von Blutegeln bei der Arthrose (zwar Hausmittel aber Anwendung trotzdem nur durch die Ärztin/den Arzt). Was wann eingesetzt wird, hängt jeweils vom Einzelfall ab.

Entspannungsübungen

Sie bringen auch dem chronischen Schmerzpatienten Schmerzlinderung. Bewährt haben sich hier das autogene Training, mit dessen Hilfe man Puls, Atmung und Hautdurchblutung beeinflussen kann und auch die progressive Muskelentspannung nach Jacobson.

Dabei lernt der Patient, einzelne Muskeln kontrolliert anzuspannen und loszulassen.

Um die leisen Signale des Körpers zu erkennen, wird häufig auch das Biofeedback angewandt. Auf einem Bildschirm oder über Kopfhörer kann der Patient seine eigene Muskelanspannung erkennen. So wird beispielsweise ein angenehm tiefer Ton erzeugt, wenn der Muskel entspannt ist, ein unangenehm hoher Ton, wenn er angespannt ist. Auf diese Weise wird deutlich, dass die Anspannung der Muskulatur willentlich steuerbar ist.

Eine alte und seit langem bewährte Methode zur Bewältigung von Schmerzen ist auch die Hypnose. Ziel ist es, Ängste und Stress abzubauen und dem Patienten somit Kontrolle über sich selbst und über seine Schmerzen zu geben.

Solche Therapieprogramme sind für viele Schmerzpatienten eine unverzichtbare Ergänzung zu einer medikamentösen Behandlung.

Ernährungstipps

Ob man Schmerzen mit einer entsprechenden Ernährung lindern kann, darüber streiten sich die Experten. Wer mehr darüber wissen möchte, sollte sich mit entsprechender Literatur versorgen.

An dieser Stelle nur so viel: Entzündungsauslösende Stoffe (Eicosanoide) werden aus der so genannten Arachidonsäure gebildet. Sie wird überwiegend aus der Nahrung aufgenommen und zwar nur aus tierischer Nahrung. Pflanzliche Nahrung enthält keine Arachidonsäure.

Will man nun die Menge an Arachidonsäure im Körper reduzieren, so heißt dies, möglichst auf tierische Nahrung zu verzichten und der pflanzlichen Nahrung den Vorzug zu geben. Eine andere Möglichkeit, die Eicosanoide zu hemmen, ist die, dem Körper Omega-3-Fettsäuren (Fischöl) zuzuführen.

Vor allem Rheumatiker berichten von weniger Schmerzen bzw. einer Dosisverringerung der Schmerzmedikamente unter der Einhaltung einer speziellen „Schmerzdiät“.

Klassische Irrtümer

Die Vorurteile gegen Opioide sind in der Bevölkerung, aber auch bei vielen Ärzten noch sehr groß. Sie sind verwandt mit körpereigenen Schmerzhemmern. Nehmen die Patienten sie nach einem genauen Plan und unter regelmäßiger Kontrolle eines Arztes ein, treten keine Folgeschäden auf. Auch die Gefahr einer Abhängigkeit droht dann nicht.

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