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RATGEBER - Sex & Psyche

Babystress

Die Auseinandersetzung mit der neuen Rolle als Elternteil beginnt bei den meisten Menschen erst, wenn das Baby schon da ist. Vorher kann man es sich nämlich einfach nicht realitätsnah ausmalen, was da alles auf einen zukommt.

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Der plötzliche Übergang vom vertrauten Verhaltensmuster als Partner/in zu dem als Mutter oder Vater macht unsicher. Um diese Unsicherheit zu überwinden, bräuchte frau/man vielleicht einfach einmal Ruhe oder eine/n verständnisvolle/ Partner/in. Die Ruhe ist aber zum einen mit einem Neugeborenen nicht so ohne Weiteres herzustellen, zum anderen steckt der Partner, dessen Verständnis und Anregung man benötigen würde, selbst in einer Situation, der er in der Regel ebenfalls nicht gewachsen ist – die Gefühlswelt fährt Achterbahn. Falls eine Hochzeit stattgefunden hat, ist es für den Mann schon schwierig genug gewesen, in seiner Freundin/Geliebten nun seine Ehefrau zu sehen ... jetzt aber nimmt seine Partnerin auch zusätzlich noch die Rolle einer Mutter ein.

Die erforderlichen Neuordnungen sind also nicht einfach. In dieser Zeit bilden sich oft Missverständnisse zwischen den Partnern heraus, die, bei längerem Andauern, zu ernsthaften Beziehungsproblemen führen können. Die Missverständnisse betreffen u. a. die Sexualität: Der Mann denkt vielleicht, „mit der Mutter meines Kindes kann ich doch nicht schlafen!“ Er bekommt Assoziationen zu der eigenen Mutter, und damit ist die sexuelle Lust vorbei. Nicht selten fühlt sich zudem ein Mann durch die Fürsorge, welche die Frau dem Kind zuteil werden lässt, vernachlässigt. Aus diesen Gründen kann der Mann erst einmal die Lust auf seine Partnerin verlieren, wodurch sich wiederum die Frau vernachlässigt und ungeliebt fühlt. Für die Frau ist es in erster Linie entscheidend, wie stark sie durch den Geburtsvorgang beansprucht wurde. Auch das Stillen und der Zeitaufwand für die Betreuung des Kindes führen dazu, dass die Rückkehr zum sexuellen Alltag etwas Zeit braucht.

Wie aber kann man die Lust wiedergewinnen? Man sollte Sexualität nicht aus der Beziehung abspalten, sondern sie als besonders intensive Form der Zärtlichkeit betrachten.

Somit fällt es beiden Partnern leichter zu akzeptieren, wenn in vorübergehenden Phasen eine sanftere Form der Zärtlichkeit vorherrscht, denn diese kann sich ja wieder intensivieren. Damit wird eine Zeit, in der ein Paar seltener oder gar nicht miteinander schläft, nicht direkt als das „Aus der Sexualität“ gebrandmarkt.

Darüber hinaus ist es wichtig, dass sich beide Elternteile ab und zu einmal Zeit nur füreinander nehmen. Wie wäre es, sich für diese Zeit einen Babysitter zu leisten? Bestimmt haben auch schon einmal Nachbarn oder Freunde angeboten, auf das Kind aufzupassen. Falls wider Erwarten nicht, gibt es auch ehrenamtlichen Agenturen, die man um Hilfe bitten kann. Generell gilt: Nicht nur das Kind braucht Zuwendung, sondern auch die Partnerin / der Partner.

Beide Partner spielen weiterhin auch die Rollen, die sie vor dem Familienzuwachs eingenommen haben. Denn sie sind ja weiterhin ein Liebespaar und sollten versuchen, auch auf dieser Ebene füreinander attraktiv zu bleiben. Wer von beiden das Aufziehen der Kinder übernimmt und von daher zwangsläufig häufiger zu Hause ist, muss sich deswegen nicht gehen lassen sondern kann doch trotzdem versuchen, auch äußerlich attraktiv zu bleiben. Denn der gegenseitige Respekt vor der Leistung und der Persönlichkeit des Andern der beste Weg zu einer guten Beziehung. Dazu gehört, dass der Partner, der sich um die Kinder kümmert, Verständnis zeigt, wenn auch der Geld verdienende Partner im Beruf Stress hat.

Dazu gehört genauso, dass ein Mann zusätzlich darauf Rücksicht nehmen, dass seine Frau erst einmal Erholung von den Strapazen der Geburt, den anstrengenden Wochen danach und den hormonellen Veränderungen braucht. Denn eine Frau braucht nach der Geburt viele Monate Zeit – vielleicht sogar ein ganzes Jahr – um wieder zu ihrem Körpergefühl und zu einem ausgeglichenen Hormonhaushalt zurückzufinden.


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