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RATGEBER - Sex & Psyche

Eifersucht

Nach einer amerikanischen Studie aus den 1970er Jahren sind 98 Prozent der in Beziehungen lebenden Menschen eifersüchtig. Was da aber einheitlich als „Eifersucht“ bezeichnet wird, ist in Wahrheit ein Sammelsurium von verschiedenen Gefühlen.

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Zudem muss zwischen der normalen Eifersucht und ihren übersteigerten Ausformungen, der wahnhaften und der krankhaften Eifersucht, unterschieden werden.

Die „normale“ Eifersucht

Der Psychiater Dr. Jan Di Pauli, Innsbruck, hat durch eine Erhebung systematisch untersucht, was Eifersucht für die Betroffenen alles bedeute. Die häufigste Antwort der Befragten lautete, sie hätten Angst, den Partner zu verlieren. Darüber hinaus kamen sehr viele weitere Ängste zum Vorschein, wie zum Beispiel Angst vor Verlust der Intimität, vor Demütigung, vor finanzieller Ungewissheit bei einer Trennung. Andere empfanden Schmerz, Zorn, Traurigkeit. Oder sie verspürten Unruhe, Scham, Erniedrigung, Hoffnungslosigkeit und Nervosität, die nicht selten mit Ungewissheit gepaart sei. Alle möglichen Varianten traten zutage: Die Eifersucht ist von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich.

Die Konsequenzen, die die Betroffenen aus ihren Gefühlen ziehen, ähneln sich wiederum. Sie befragen misstrauisch ihre Partner und kontrollieren ihn. Sie rufen im Hotel oder bei Freunden an, um herauszufinden, ob der Partner tatsächlich dort ist. Sie durchwühlen die Taschen des anderen, öffnen dessen Post oder rechnen den Kilometerstand des Wagens zurück.

Der stärkste Auslöser für einen Anfall von Eifersucht ist übrigens eine Affäre des eigenen Partners mit einer/m gemeinsamen Bekannten. Unsicherheit über den momentanen Aufenthalt des Partners und Stress verstärken die quälenden Gefühle.

Eifersuchtswahn

Eine Steigerung der normalen Eifersucht ist der Eifersuchtswahn. Der Begriff „Wahn“ kommt aus der Psychiatrie. Es handelt sich dabei um „eine private Wirklichkeit, von deren Richtigkeit der Betroffene absolut überzeugt ist“, so die medizinische Definition. „Privat“ bedeutet in dieser Definition nichts anders, als der Wahnkranke sich einbildet, etwas gesehen oder gehört zu haben. Aber davon ist er nicht abzubringen. Wahnhaft ist es beispielsweise, wenn ein Mann in sämtlichen Nachbarn Liebhaber seiner Frau sieht. Oder wenn eine Frau annimmt, ihr Mann würde auf einem Fest, sobald sie ihn nicht mehr sehen kann, schnell die nächste Frau ins Schlafzimmer zerren und mit ihr schlafen – oder ihr zumindest, wenn die Zeit zu knapp ist, einen Zungenkuss geben und zwischen die Beine greifen.

Der Eifersuchtswahn kommt häufig in Begleitung einer Alkoholerkrankung oder als Symptom einer Schizophrenie vor. In der Literatur werden auch Patienten mit Syphilis, Alzheimer, Schilddrüsenüberfunktion, Multipler Sklerose, Creutzfeld-Jacob und nach einem Schädeltrauma beschrieben, die gleichzeitig an einem Eifersuchtswahn litten. Diese Menschen brauchen eine ihrer Grunderkrankung entsprechende Behandlung. Ist eine erfolgreiche Behandlung möglich, verschwindet der Wahn.

Krankhafte Eifersucht

Dann gibt es noch die krankhafte Eifersucht mit ihren „überwertigen Ideen“. Sie unterscheiden sich von den wahnhaften Ideen darin, dass sie sich auf reale Ereignisse beziehen, die allerdings überinterpretiert werden. Eine krankhafte Eifersucht könnte vorliegen, wenn auf einem Fest ein Mann beobachtet, wie seine Freundin mit einem anderen Mann lacht und flirtet – und er ihr dann hinterher vorwirft, dass sie ein Verhältnis anfangen will.

Krankhaft Eifersüchtige reagieren heftig. Sie lernen nicht aus ihren Fehlern, können ihr Verhalten nicht der Situation anpassen und richten ihre Eifersucht gegen viele verschiedene Personen. Sie neigen stark zum Kontrollieren und Ausspionieren ihrer Partner. Die eifersüchtigen Phasen können mit normalen wechseln, in denen sie ihr Verhalten und ihre Ängste als unbegründet ansehen und sich ihrer schämen.

Die Ursache eines solches Verhaltens ist nach der Erfahrung von Psychiatern immer eine zusätzliche Krankheit. Im Gegensatz zum Wahn, der eine eigenständige Krankheit ist, handelt es sich bei der krankhaften Eifersucht um ein Phänomen, das als Folge einer bestehenden Depression, einem bestehenden Alkoholproblem oder bei einer Person mit geringem Selbstbewusstsein auftritt.

Hier beginnt die Therapie der Eifersucht damit, die „Wurzel des Übels zu erkennen“, so Dr. Harald Oberbauer. Er ist Facharzt für Psychiatrie und Neurologie in Innsbruck und Leiter der dortigen Eifersuchtsambulanz. Ist der Alkohol die Ursache, geht der Patient in Innsbruck auf die Entzugsstation im Haus. Bei Depressionen kommt eine Kombination von Gesprächstherapie und bestimmten Antidepressiva zum Einsatz, auf die die krankhaft Eifersüchtigen erfahrungsgemäß sehr gut ansprechen. Bei geringem Selbstbewusstsein als Ursache rät Oberbauer zu einer Psychotherapie oder einer Paartherapie.

Alkohol und Eifersucht

Alkohol ist bei Eifersucht oft im Spiel. Denn Alkohol – auch schon in geringen Mengen – löst die Selbstkontrolle und verzerrt die Realität. Man verliert den Überblick und verbeißt sich richtiggehend in die eigenen Empfindungen und Erklärungen.

Alkohol und Eifersucht sind ein ganz ungutes Team. Alkohol verstärkt Eifersucht. Umgekehrt verstärkt Eifersucht die Neigung zum Alkohol. Unter Alkoholeinfluss sind daher kaum vernünftige klärende Beziehungsgespräche zu führen. Den Versöhnungssekt sollte man daher wirklich erst zur Versöhnung trinken, und nicht vorher.

Leider kommt zur Eifersucht und zum Alkohol oft noch ein dritter unguter Komplize. Die Gewaltbereitschaft. Sowohl Alkohol als auch Eifersucht verstärken die Gewaltbereitschaft. Eine Umfrage unter „geschlagenen Frauen“ ergab, dass bei zwei von dreien Eifersucht der Auslöser für die Gewalt war. Oft dann, wenn die Frau den Partner gerade verlassen hat. Die Fälle, in denen eine Frau ihren Partner tötet, geschehen übrigens meist nicht aus Eifersucht, sondern zur Selbstverteidigung nach chronischem Missbrauch.


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