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RATGEBER - ADHS

Neuer Ansatz: Die Nährstofftherapie

Die in England und den USA verbreitete Nährstofftherapie wird zunehmend auch in Deutschland als eine Art Basisbehandlung eingesetzt, so berichten die Fachärztin für Kinder und Jugendmedizin Marie-Therese Zierau  und der Apotheker Dr. Georg Keller in ihrem Buch „Hilfe bei ADHS - die neue, sanfte Nährstofftherapie“.
Die Nährstofftherapie eignet sich demnach insbesondere für Kinder mit ausgeprägt oppositionellem Verhalten, Aggressionen, impulsiven Ausbrüchen, Stimmungsschwankungen und ausgeprägt hyperaktiver Komponente.
Die Aufmerksamkeitsspanne hingegen verlängert sich durch eine Nährstofftherapie nicht wesentlich. Das Sozialverhalten und die Hyperaktivität bessern sich also deutlich.

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Eine Kombination mit Medikamenten ist möglich und führt oftmals zu einer verbesserten Verträglichkeit der Medikamente und ermöglicht zuweilen die Behandlung mit kleineren Medikamentendosierungen.

Genauere Infos auch unter: www.adhs-legasthenie.de

Zusammenhang zwischen Nervenboten- und Nährstoffen
Zusammenhänge zwischen der Nährstoffversorgung und der Menge an bestimmten, wichtigen Nervenbotenstoffen im Gehirn sind schon längere Zeit bekannt [1] .

Verschiedene Forscher stellten fest, dass bei ADHS-Kindern bestimmte Fettsäuren (Docosahexaensäure [DHA]), Arachidonsäure (AA) und Gamma-Linolensäure (GAL) sowie bestimmte Mineralstoffe (Zink und Magnesium) im Blutserum deutlich niedriger sind als bei gesunden Kindern.

Je größer der Mangel war, desto ausgeprägter waren die ADHS-Symptome [2]. Es handelt sich hierbei um bestimmte ungesättigte Fettsäuren, die der Körper u. a. zum Aufbau von Nervenzellen und für deren einwandfreie Funktion benötigt.

Zudem werden aus den Fettsäuren bestimmte Hormone (sogenannte Prostaglandine) gebildet, welche unter anderem das Gleichgewicht der Nervenbotenstoffe Noradrenalin, Dopamin und Serotonin beeinflussen, welche bei ADHS ja eine zentrale Rolle spielen.

Weil die drei Fettsäuren DHA, AA und GLA so entscheidend wichtig an der Ausbildung und Funktion des Gehirns beteiligt sind, werden sie in dem schon zitierten Buch von Zierau und Keller „Gehirnfettsäuren“ bezeichnet. Das menschliche Gehirn besteht zu etwa 60 % aus Fettsäuren und zu etwa 40 % aus Eiweiß (ohne Wasseranteil).

[1] Hibbeln et al: Essential Fatty Acids Predict Metabolites of Serotonin and Dopamin in Cerebrospinal Fluid among Healthy Control Subjects, and Early- and Late-Onset Alcoholics, in: Biol. Psychiatry 1998.
[2] vgl. Dr. Mitchell von der kindermedizinischen Abteilung der Universität Auckland, oder Laura Stevens von der Purdue Universität   

Neben Fettsäuren fehlen auch Mineralstoffe

1994 untersuchte eine polnische Arbeitsgruppe 50 Kinder mit ADHS im Alter zwischen vier und 13 Jahren auf den Magnesium und Zink-Gehalt im Plasma, in den roten Blutkörperchen, im Urin und in den Haaren. Es zeigten sich ausgeprägte Mangelerscheinungen dieser beiden Mineralstoffe im Vergleich zur gesunden Kontrollgruppe [1].

Es ist von besonderer Bedeutung, dass Zink- und Magnesium u. a. die Enzyme zum Umbau der Fettsäuren steuern. Offensichtlich führt der Defekt bei den Enzymen des Fettstoffwechsels auch zu einem Verlust dieser beiden für die Enzyme notwendigen Mineralstoffe.

Klinische Studien mit ADHS Kindern belegen, dass diese einen relativen Mangel an Magnesium aufweisen und von einer Zufuhr über sechs Monate deutlich profitieren.

Ein ähnliches Ergebnis liegt für Zink vor. Zwei Drittel der ADHS-Kinder haben ein starkes Zink-Defizit.
Zink ist ein unentbehrliches Spurenelement, das für ein normales Wachstum, das Immunsystem und die Gehirnentwicklung und den Neurotransmitterstoffwechsel von entscheidender Bedeutung ist.

Ein Zinkdefizit konnte bei einer normal ernährten Gruppe von ADHS Kindern im Vergleich zu einer Kontrollgruppe nachgewiesen werden. Auch konnte festgestellt werden, das ADHS-Kinder mit stark erniedrigten Zinkpegeln schlechter auf eine Stimulanzientherapie ansprachen [2].

[1] Kozielec, T. et al: Certain trace element deficiencies in Children with Hyperactivity, in: Psychiatria Polska 1994, 28,3
[2] Arnold, L.E. et al: Does Zinc Moderate Essential Fatty Acid and Amphetamine Treatment of Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder? in: Journal of child and adolescent Psychopharmacology 2000, 10,2

Wie führt man eine Nährstofftherapie durch?

Die Nährstofftherapie ist eine unterstützende diätetische Maßnahme. Soweit das Ernährungsverhalten noch beeinflusst werden kann, sollte diese Möglichkeit auch genutzt werden. Bei ADHS-Patienten treten allerdings gerade an dieser Stelle häufiger Probleme auf.

Zum einen betrifft die Aufmerksamkeitsstörung nicht nur die Wahrnehmung nach außen, sondern auch nach innen, so dass die betroffenen Kinder Hunger- oder Appetit auf bestimmte Lebensmittel schwächer wahrnehmen als gesunde Kinder. Dies führt oft zu einer Einschränkung bei der Auswahl der Lebensmittel und der Mengen.

Zum anderen leiden Kinder, die mit Stimulanzien behandelt werden, oft zusätzlich unter dem appetithemmenden Effekt des Methylphenidats, sodass die Versorgung mit Nährstoffen noch einmal eingeschränkt wird.

Ergebnis: Die Kinder gehen ohne Frühstück aus dem Haus, die Frühstücksdosen werden ungeleert aus der Schule wieder mitgebracht und auch das Mittagessen wird zur Qual.

Besonders interessant ist zudem in diesem Zusammenhang, dass die Nährstoffverluste bei stimulanzienbehandelten Kindern möglicherweise größer sind als bei unbehandelten Kindern, woraus ein rascheres Ansprechen auf die Nährstofftherapie resultiert. Einzelne Studien weisen in diese Richtung [1].

Optimal ist nach aktueller Studienlage die tägliche Zufuhr von knapp 500 mg Docosahexaensäure, ca. 100 mg Gamma-Linolensäure und 40 mg Arachidonsäure sowie 200 mg Magnesium und 10 mg Zink.

Gute Quellen sind z. B. fette Seefische wie Thunfisch, Aal, Hering, das Öl der Nachtkerze oder Borretschsamenöl, Fleisch und reichlich grünes Gemüse als Magnesium-Quelle.

 

 

 

 

Nähere Informationen zur Nährstofftherapie finden Sie unter:
www.adhs-legasthenie.de

sowie in den folgenden Büchern:

 Hilfe bei AD(H)S
ISBN 3-426-66935-8

- Die neue, sanfte Nährstofftherapie
- Für Zappelphillip-Kinder und kleine Träumer
- Mit Special: Legasthenie

Autoren: Dr. Georg Keller,
Marie-Therese Zierau

 

 

 

 

ADHS bei Erwachsenen
ISBN 3-899-93510-1

 Die Nährstofftherapie:
- Ein neuer Weg in der ADHS-Behandlung
- Speziell auf die Bedürfnisse von Erwachsenen zugeschnitten
- Im Ausland erprobt und wissenschaftlich belegt

Autoren: Prof. Dr. Michael Hamm, 
Dr. Mirko Berger

Wer die Zufuhr nicht über die Ernährung sicherstellen kann, für den empfiehlt sich die Verwendung speziell auf ADHS zugeschnittener Nährstoffpräparate mit den Gehirnfettsäuren und Mineralstoffen in Kombination.

Solche Präparate werden in Form von fertigen Mischungen in Kapseln für Kinder und Erwachsene in England, den USA und Holland bereits seit vielen Jahren vertrieben und sind inzwischen auch in Deutschland erhältlich.

Am effektivsten ist es, wenn die Nährstoffsupplemente morgens und abends unmittelbar zu einer Mahlzeit eingenommen werden, weil dann die Aufnahme in den Körper optimal ablaufen kann.

Eine Nährstofftherapie dauert mindestens drei Monate, bis deutlich messbare Erfolge auftreten, weil der Stoffwechsel der Gehirnfettsäuren relativ langsam abläuft.

Durch den Mangel an den Gehirnfettsäuren ist die Struktur der Nervenzellmembranen  gestört, sodass der Stoffwechsel im Vergleich zum Gesunden zusätzlich verlangsamt ist. Diese Mengen sind für die ersten drei Monate empfehlenswert, danach kann man stufenweise von Wochen zu Woche reduzieren, bis die halbe Dosierung erreicht ist. Dies ist die dauerhaft empfehlenswerte Zufuhrmenge.

[1] Schmidt, Kruesi, Elia, Borcherding, Elin, Hosseini, McFarlin, Hamburger: Effect of dextroamphetamine and methylphenidate on calcium and magnesium concentration in hyperactive boys. PsychiatricResearch (1994), 54, 199-210.


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