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RATGEBER - Schilddrüse

Morbus Basedow – Autoimmunbedingte Überfunktion

Als ein Merkmal dieser Schilddrüsenüberfunktion galt lange Zeit das Hervortreten der Augäpfel (Exophthalmus).

Zusammen mit dem Kropf und dem Herzjagen (Tachykardie) bildete diese drei Symptome die so genannte Merseburger Trias – die Hauptmerkmale der Basedowkrankheit.

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Heute geht die Erkenntnis jedoch in die Richtung, dass der hervortretende Augapfel eine zweite Erkrankung ist, die auch unabhängig vom Morbus Basedow auftreten kann. 

Bei der Basedowkrankheit produziert das Immunsystem Abwehrstoffe gegen Strukturen der Schilddrüse.
Diese so genannten Antikörper haben die Eigenschaft, TSH, das Hormon der Hirnanhangdrüse, zu imitieren und können die Schilddrüse ständig zur Hormonproduktion anheizen.

Diese Form der Schilddrüsenüberfunktion ist wohl durch das Zusammenwirken vieler Faktoren bedingt: Genetische Veranlagung, immunologische Faktoren, aber auch Umweltgifte und psychosoziale Faktoren spielen eine Rolle.

Wer aus einer Basedow-Familie stammt, ist viermal stärker gefährdet, diese Erkrankung zu bekommen als Menschen aus "Normalfamilien".
Frauen sind fünfmal öfter betroffen als Männer.

Häufig bricht die Krankheit nach besonderen psychischen Belastungen aus.

Augenbeschwerden bei der Basedowkrankheit

Etwa 2/3 der Basedow-Erkrankten leiden zusätzlich unter einer Veränderung der Augen.
Man nennt dies "endokrine Orbitopathie", was soviel wie drüsengesteuerte Augenerkrankung bedeutet.

Es kommt zu Entzündungen und Aufquellungen in der Augenhöhle und an den Augenmuskeln.
Das Fettgewebe hinter dem Augapfel vermehrt sich. Dadurch wird der Platz in der Augenhöhle eng und die Augäpfel werden herausgedrückt.

Die weiteren Beschwerden, die bei einer endokrinen Orbitopathie auftreten können, variieren vom morgendlichen Augenödem, seltenem Lidschlag, Fremdkörpergefühl, Lichtempfindlichkeit, Bindehaut- und Hornhautentzündungen, verdickten Augenmuskeln, Doppelbildersehen bis hin zur Schädigung des Sehnervs.

Es wird diskutiert, ob diese Krankheit ebenfalls auf eine gestörte Immunfunktion zurückgeht.
Dabei ist es unerheblich, ob sie zusammen mit einer Schilddrüsenüberfunktion oder als alleinige Krankheit auftritt, wie es bei 30 Prozent der Erkrankten der Fall ist.

Mit Morbus Basedow kombinierte Autoimmunerkrankungen

Neben der oben beschriebenen endokrinen Orbitopathie ist der Morbus Basedow bisweilen mit anderen Autoimmunerkrankungen wie Morbus Crohn (entzündliche Darmerkrankung), Vitiligo (Weißfleckenkrankheit der Haut) oder rheumatoider Arthritis (Gelenksentzündung) kombiniert.

Außerdem findet sich manchmal eine gallertartige Schwellung vor dem Schienbein, die als Schleim- oder Myxödem bezeichnet wird.

Diagnose des Morbus Basedow

Neben den Kennzeichen einer Überfunktion wie erhöhten Werten der Schilddrüsenhormone T3 und T4 sowie erniedrigten Werten der Hirnanhangdrüsenhormone TSH zeigt sich im Blutbild eines Basedowkranken eine weitere Auffälligkeit: Die vom Körper gebildeten Abwehrstoffe (die Antikörper TRAK, Tg AK und TPO AK) sind erhöht.

Wenn keine Infektion vorliegt, bedeutet dies, dass der Körper seine Abwehr gegen sich selbst richtet und sich selbst schädigt.
Dies ist bei jedem Autoimmunprozess der Fall, so auch beim Morbus Basedow.

In seltenen Fällen treten die Antikörper nicht ins Blut über und sind also nicht über das Blutbild zu ermitteln.
Dann ist es für den Arzt schwierig, die Basedow-Überfunktion von der disseminierten Autonomie zu unterscheiden. Er zieht in diesem Fall ein Ultraschallgerät zur Diagnose heran.

Mitunter führt auch eine bestimmte Schilddrüsenentzündung, die Hashimoto-Thyreoiditis, anfangs zu einer Überfunktion und kann zunächst mit der Basedowkrankheit verwechselt werden.

Die Behandlung der Überfunktion beim Basedow

Eine ursächliche Behandlung des Morbus Basedow ist derzeit nicht möglich, da die Entstehungsgeschichte der Krankheit den Medizinern immer noch viele Rätsel aufgibt.

Jedenfalls ist es wichtig, erst einmal die Überfunktion der Schilddrüse zu stoppen. Dies geschieht medikamentös mit Schilddrüsenblockern (Thyreostatika). Des Weiteren muss Jod gemieden werden, da der Mineralstoff eine bestehende Überfunktion weiter anfachen kann.

Wenn sich durch diese Maßnahmen die Werte der Schilddrüsenhormone wieder normalisieren, bessern sich meist – leider aber nicht immer – die Augenbeschwerden.

Sinnvoll ist es, trotz wieder normaler Schilddrüsenwerte die Thyreostatika insgesamt etwa ein Jahr lang einzunehmen.
Denn es hat sich gezeigt, dass damit auf noch unerklärliche Weise auch der Autoimmunprozess gestoppt werden kann.

Um irgendwann ganz ohne die Thyreostatika auszukommen, setzt man das Medikament in einer stressfreien, stabilen psychischen Phase ab.
Etwa 20 Prozent der Menschen bleiben anschließend gesund.

Wichtig sind regelmäßige Nachkontrollen, damit ein eventueller Rückfall, auch nach Monaten oder Jahren, rechtzeitig erkannt wird.

Flackert die Überfunktion wieder auf, wird die Schilddrüse doch operiert oder mit Radiojod behandelt werden müssen.

Der Operation ist dann der Vorzug zugeben, wenn ein großer Kropf gewachsen ist, der vielleicht schon Luft- und Speiseröhre verengt, oder wenn gleichzeitig kalte Knoten vorliegen.

Derzeit wird geprüft, ob Basedowpatienten, die gleichzeitig unter einer Augenveränderung (endokrine Orbitopathie) leiden, von einer Operation mit kompletter Schilddrüsenentfernung hinsichtlich der Augenprobleme profitieren. Wird aber eine Radiojodbehandlung vorgezogen, wird der Arzt übergangsweise die kranken Augen durch Cortison schützen.

Behandlung der Augen bei endokriner Orbitopathie

Sie wissen jetzt, dass sich bei einer bestimmten Schilddrüsenüberfunktion, dem Morbus Basedow, auch eine Augenerkrankung einstellen kann.
Bagatellisieren Sie daher die Beschwerden nicht.

Für den behandelnden Arzt ist das Auftreten von Augenbeschwerden möglicherweise von Bedeutung, um über die Dauer der Gabe von Thyreostatika zu entscheiden.

Bei gravierenden Problemen wird er mit entzündungshemmenden Mitteln wie Cortison gegensteuern.
Er kann auch eine Bestrahlung der Augenhöhle von außen in Erwägung ziehen oder mit einer Operation korrigierend eingreifen.

Sind Sie empfindlich gegenüber hellem Licht geworden oder stellt sich ein permanentes Fremdkörpergefühl ein, sollten Sie zusätzlich einen Augenarzt zu Rate ziehen, denn Sie brauchen eine getönte Brille, künstliche Augentränen oder Gel, das die Tränenflüssigkeit ersetzt.

Bei Lidschwellungen ist es sinnvoll, mit erhöhtem Kopfkissen zu schlafen, um den Lymphabfluss zu verbessern.

Regeln für den Basedowpatienten

Oberstes Gebot ist Schonung, Erholung und Stressabbau. Dies können Sie mit einer vitaminreichen Ernährung unterstützen.

Alles was reizt, sollten Sie meiden: keine Reiztherapien, keine Sauna, keine ausgedehnten Sonnenbäder oder Solariumsbesuche.

Verzichten Sie auf Kneippanwendungen, Thermalbäder, Jod, Kaffee, Alkohol und Nikotin.

Rauchen erhöht Ihr Risiko, eine endokrine Orbithopathie zu erleiden, um das siebenfache.
Der Verlauf der Augenerkrankung ist bei Rauchern schwerer und eine erfolgreiche Behandlung wird behindert.


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